Musterbeispiel: Textgebundene Erörterung


Musterbeispiel

Alles oder Nichts: Vom Preis des Leistungssports

„Sport ist Mord“ – mit diesen Worten begründete vor wenigen Tagen eine junge Marathonläuferin ihren Rücktritt und entfachte eine Diskussion unter Fachleuten über Sinn und Unsinn des Leistungssports.

Auch Maja Binder thematisiert in ihrem Artikel „Alles oder Nichts: Vom Preis des Leistungssports“, veröffentlicht im Tagblatt „Rundumblick“ am 02.08.2015, die Frage, welche Rolle der Leistungssport in unserer Gesellschaft spielt. Sie verweist darauf, dass Athletinnen und Athleten modernen Gladiatoren entsprächen, die die Rolle von Idolen einnähmen. Damit sei evident, dass wir in einer Zeit leben, in der v.a. der Erfolg im Zentrum unseres Denkens stehe. Weniger der Weg dorthin als der Erfolg selbst sei von Bedeutung. So gebe es kaum Leistungssportlerinnen und –sportler, die an ihrem Körper nicht Raubbau betrieben und am Ende ihrer Karriere nicht von Depressionen geplagt würden.

Und trotzdem gibt es Menschen, die bereit sind, Leistungssport zu betreiben. Es muss also gute Gründe dafür geben. Das intensive Ausüben  einer Sportart mit dem Ziel, im Wettkampf eine hohe Leistung punktgenau abzurufen, zielt sicherlich einmal darauf ab, dass man sein Hobby zum Beruf macht. So verdient man Geld mit dem, was einen freut, was einen interessiert.

Die Fokussierung auf sportliche Betätigung mag auch darin begründet sein, dass es viele Menschen reizt, das menschliche Leistungsvermögen zu erkunden. So würden – laut Maja Binder – Spitzensportlerinnen und –sportler aller Disziplinen ausloten, wo ihre absolute Leistungsgrenze liege. Dies geschieht allerdings nicht nur durch Training, sondern oftmals unter Zuhilfenahme von Pillen, ein Umstand, der ja allgemein bekannt ist.

Wesentlicher sei aber der Aspekt von Ruhm, Anerkennung und vor allem von Preise – Faktoren, die mit der Ausübung von Spitzensport verbunden sind. Es muss schon großartig sein, sich seine Träume erfüllen zu können und bei internationalen Wettkämpfen auf dem Podest zu stehen, eine Medaille um den Hals geelegt zu bekommen und von Publikum und Presse bejubelt zu werden. Der absolute Höhepunkt einer Spitzenkarriere ist sicherlich die Tatsache, Weltmeister zu werden oder bei einer Olympiade zu gewinnen.

Auch wenn dies zu den schönsten Augenblicken einer Karriere zählt, so dürfen die negativen Auswirkungen des Spitzensports nicht übersehen werden. So führen etwa Prellungen im Knie-, Sprung- und Schultergelenk häufig zu großen Schmerzen und schränken die Gelenkfunktion ein. Und wie oft liest man von Sportlerinnen und Sportlern, die mit schweren Knochenbrüchen oder gerissenen Sehnen im Spital liegen und operiert werden müssen. Oder man denke an Verletzungen im Bereich der Wirbelsäule, die chronisch werden oder gar zu Lähmungen führen können.

Sicherlich ebenso schwer wie die körperlichen Beeinträchtigungen wiegen die psychischen Beschwerden, unter denen die Leistungssportlerinnen und Leistungssportler leiden und die auf den hohen Leistungsdruck zurückzuführen sind. Dass sich die Athletinnen und Athleten diesem körperlichen und seelischen Leidensdruck aussetzen, ist sicher darin begründet, dass sie ab einem bestimmten Punkt nicht mehr „aussteigen“ können. Darauf weist Maja Binder ausdrücklich hin. Die Aussicht, das große Geld zu verdienen, begründe ihre Entscheidung weiterzumachen. Sie hätten bereits viel investiert und meinten, womöglich alternativlos zu sein. Doch stimmt das? Eines ist sicher: Freude am Sport, fester Wille und große Ziele, das sind die Zutaten, die zu Erfolg führen. Und richtig ist auch „Wer rastet, der rostet“, wie der Volksmund sagt. Doch liegt zwischen diesen Positionen nicht ein Handlungsspielraum?

Vermutlich schon: Einerseits geht es um die Position der Athletin bzw. des Athleten. So sollte sie oder er nur so lange aktiv sein, als ihr oder ihm die Ausübung des Sports Freude bereitet und keine körperlichen oder seelischen Nachteile in Kauf genommen werden müssen. Andererseits geht es um den gesellschaftlichen Aspekt. Demgemäß sollte das Motto der Olympischen Spiele, „citius, altius, fortius“ nicht mehr als Maxime Geltung haben und das Rekorddenken zugunsten der sportlichen Leistungen in den Hintergrund gerückt werden.

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